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1823

gründeten  „… Männer von unbescholtenem Rufe, von Bildung und Sittlichkeit, welche zu der Hoffnung berechtigten, daß sie zur Erzielung eines anständigen, geselligen Vergnügens das Ihrige beitragen dürften, zur Aufnahme in die Gesellschaft befähigt seien“ die  „geschlossene Gesellschaft Harmonie“. Der Rentamtsgehilfe Ernst Rudolphi diente  in der Folge  als Chronist und Geschäftsführer.

Für ihre Zusammenkünfte benötigten die „wohl situierten  Herren“ ein geeignetes Gebäude, das sich alsbald auch fand.

1824

verkaufte das Königreich Bayern die alte Fronfeste auf dem Schloßberg
für 625 Gulden an den Bürgermeister Johann Karl Jungkunz,
worauf der begüterte Vorsitzende auf eigene Kosten das historische Gebäude zu einem Gasthaus umbaute und samt eines großen Gartens an die Harmoniegesellschaft vermietete. 

Nach dessen Tode verkaufte seine Witwe Henriette Jungkunz im Jahr 1842 das gesamte Anwesen an die Harmoniegesellschaft.

1868

wurden von der Generalversammlung 37 Paragraphen in den„Vereinsstatuten“ verankert, die festlegten, dass nicht nur Einheimische, sondern auch Auswärtige als Mitglieder aufgenommen werden können.

Der für damalige Verhältnisse hohe Jahresbeitrag von 52 ½ Kreuzer (1/4 Gulden) war Garant dafür, dass ausschließlich gut betuchte Herren als Mitglieder der Gesellschaft beitraten, der nach wenigen Jahren bereits 90 „unbescholtene Männer“ angehörten. Durch bauliche Erweiterungen und den Neubau einer Kegelbahn schufen sich die Vereinsmitglieder  ein sehr gemütliches Zuhause, das wegen seiner Lage und des schattigen Gartens auch von Gästen gern besucht wurde.

Die Gaststätte war auf den Grundmauern eines Schlossturmes gebaut, der bei der Belagerung Lichtenbergs im Jahr 1444 durch die Geschosse eines Söldnerheeres der Nürnberger Kaufleute schwer zu Schaden kam.

1905

wurde die alte Kegelbahn abgerissen und durch eine neue,wesentlich breitere ersetzt.

Ferner wurde die Gastronomie erneuert, was insgesamt mit 3359,35 Mark zu Buche schlug.Im Jahre 1910 wurden die Statuten der Harmoniegesellschaft ergänzt und von der Generalversammlung ein „Ordnungsgesetz“ beschlossen.

Dieses besagte, dass:

1. Im Gesellschaftslokal aufliegende Zeitungen nicht mit nach Hause genommen werden dürfen.

2. Unanständiges Betragen und Streitigkeiten, wörtliche und tätliche Beleidigungen sorgfältig zu vermeiden sind.

3. Hasardspiele nicht geduldet werden können.

4. Hunde in das Gesellschaftslokal und den Gesellschaftsgarten nicht mitgebracht werden dürfen.

Am Zweck der Gesellschaft, „anständige Unterhaltung und Erholung“zu bieten, änderte sich aber nichts.

1929

bis 1930 modernisierte der Verein mit einem Kostenaufwand von 8000 Reichsmark seine Lokalitäten.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die seit 1907 tätige Vereinswirtin Lina Herpich durch Fritz Vetter abgelöst. 1949, nach Aufhebung der Treuhänderschaft, übernahm Alois Neumann als Pächter die Harmonie-Gaststätte.

Das Vereinsleben kam in der Folgezeit auch durch die ständigenPächterwechsel immer mehr zum Erliegen.

Als 1957 bauliche Veränderungen anstanden, entschlossen sich die Mitglieder zumVerkauf der Gaststätte an die Familie Heidrich.

Die aus Thierbach stammende Familie Lentz kaufte schließlich dasgesamte Anwesen. Das heutige Restaurant Harmonie ist seit 1981 im Familienbesitz und wird von den zwei Töchtern Susanne Däumer-Lentz und Iris Steiner weitergeführt.

1988

beschloss die Generalversammlung des Vereins die Auflösung der Harmoniegesellschaft. Ein „privilegierter geschlossener Verein“ passte einfach nicht mehr in die Zeit.

Das beträchtliche Vermögen des Vereins wurde laut Mitgliederbeschluss einem Fonds zugeführt, der die Sanierungsarbeitenan der alten Lichtenberger Burganlage finanziell unterstützte.

Es überlebte aber der Zweck der Harmonie und wurde von der Inhaberfamilie Lentz sogar noch erweitert:

„Anständige Unterhaltung und Erholung bei gepflegter Gastlichkeit, mit Speis und Trank für den gehobenen Anspruch“.